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Pollenalarm: Zusammenfassender Artikel

Pollenalarm: Was tun, wenn man die "Nase voll" hat?

Weil sich die Witterung durch den Klimawandel verändert, leiden immer mehr Allergiker stärker und länger. Denn die Zeiten, in denen die Nase tropft und die Augen tränen, beginnen immer früher: Erste Meldungen über Hasel-Pollen in der Luft erreichen den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in manchen Jahren bereits im Dezember, die Pollenflugvorhersage musste zeitiger geschaltet werden. Weil sich die Tage und Wochen, in denen die unterschiedlichsten Pollen unterwegs sind, so stark verschieben können, hilft Allergikern ein für sie konzipierter Kalender, sich darauf einzustellen.


Neue Pflanzen siedeln sich an

Doch nicht nur die Blütezeit verändert oder verlängert sich bei später im Jahr blühenden Pflanzen: Experten rechnen damit, dass Pflanzen aus dem südlichen Vegetationsraum auch im wärmer werdenden Norden eine Heimat finden und die Allergiker plagen könnten. Ein Beispiel hierfür ist die beifußblättrige Ambrosia (Traubenkraut), deren Pollen nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft besonders stark allergieauslösend sind. Steigende Temperaturen könnten die Ausbreitung dieser Pflanze
fördern, die in den 70er Jahren durch Saatgut aus den USA eingeschleppt wurde und deren Samen sich vermutlich über Vogelfutter verbreiten. In Frankreich und Italien sind Ambrosia-Allergien bereits zu einem massiven Problem geworden. Die Pflanze kann während der Blütezeit von Mitte Juli bis Mitte Oktober auch Atemnot und Asthma auslösen.


16 Millionen Heuschnupfen-Allergie-Patienten

Die Zahl der von Allergien Betroffenen steigt auch in Deutschland: "Rund 16 Millionen Bundesbürger leiden unter allergischem Schnupfen - das sind 20 Prozent der Bevölkerung", erklärt Fachärztin Dr. Ulrike Neise aus Düsseldorf. Als Ursachen für diese Entwicklung vermuten Spezialisten ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Zum einen verändern sich die Pollen durch die Einwirkung von Schadstoffen und werden aggressiver, laut amerikanischen Studien könnte dies auch ein Grund für eine erhöhte Pollenproduktion sein.
Zum anderen werden Allergien heute besser diagnostiziert, da die Patienten sensibler auf das Thema reagieren. Hinzu kommt das plötzliche Auftauchen von Allergenen wie der Ambrosia-Pollen - doch auch neue, industriell produzierte Stoffe können allergische Reaktionen auslösen, etwa beim Kontakt mit der Haut. "Eine These lautet außerdem, dass durch übertriebene Hygiene bei Kindern das Immunsystem schwächer ausgebildet wird, was diese anfälliger für Allergien macht", sagt die Kinderpneumologin Dr. Claudia Suerbaum. Wer auf dem Bauernhof aufwächst und sich häufig im Kuhstall aufhält, wird nach Beobachtungen von Wissenschaftlern seltener Allergiker als der Nachwuchs in der Stadt.


Allergene sind die Auslöser

Hinter einer Allergie steht zwar einerseits eine genetische Veranlagung - doch ist sie andererseits nicht angeboren, sondern erworben. "Das bedeutet, dass das Immunsystem lernt, Alltagsstoffe als 'bekämpfenswert' zu erkennen", sagt Allergologin Dr. Ulrike Neise. Man nenne dies Sensibilisierungsphase. So genannte Allergene - also Allergieauslöser - können dann ganz harmlose Pollen sein, auf die die Abwehrzellen mit Entzündungen reagieren. Auch Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze oder exotische Lebensmittel lösen
häufig Allergien aus.


Wie eine sinnvolle Behandlung aussehen kann

Allergien sollte man nicht ignorieren - vor allem, wenn sie sich im Laufe der Zeit verschlimmern und die Zeit, in der Patienten unter den Symptomen leiden, immer länger andauert. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und -ansätze:

- Die Vermeidung von Allergenen durch Pollenschutz vor den Fenstern, entsprechende Filter im Auto oder spezielle, schützende Kissenbezüge, die Hausstaubmilben in Schach halten.


- Frei verkäufliche Mittel, etwa Sprays wie Allergodil (www.heuschnupfen.de) , die im besten Fall innerhalb einer Viertelstunde dafür sorgen können, dass Symptome wie eine zugeschwollene Nase abklingen.


- Werden die allergischen Reaktionen hartnäckiger und langwieriger, gilt es nach Empfehlung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes, einen Hals-, Nasen-, Ohrenarzt oder - falls die Bronchien betroffen sind -, einen Lungenfacharzt aufzusuchen, um einen Allergietest machen zu lassen. Eine Hyposensibilisierung, die das Immunsystem an das Allergen gewöhnt und der Entstehung von gefährlichem Asthma vorbeugt, ist laut HNOÄrzten zum Teil sogar während der Saison möglich. Eine sinnvolle Vorbeugung beginnt den Experten zufolge jedoch vorab.


Verschiedene Formen der Hyposensibilisierung

Ärzte haben inzwischen die Wahl unter mehreren Behandlungsmethoden: Sie können über zwei bis drei Jahre durchgängig Spritzen verabreichen oder kurzzeitig vier bis sieben Spritzen vor dem Pollenflug (drei Jahre lang). Tropfen oder Tabletten, die man unter die Zunge legt wie die Gräser-Impftablette, sind weitere Therapieformen. Ob und in welcher Weise sich diese für Kinder eignen, wird derzeit erforscht. HNO-Ärzte empfehlen zusätzlich Nasenspülungen und raten dazu, die Matratze mit einer Hülle zu umgeben, um die Allergie nicht noch durch Feinstaub zu verstärken.